Probenverlauf

Sonntag, 27.12.2020 17.00 Uhr. Zoom-Konferenz. Besprechung Anatevka hieß das Stichwort. Es gab neue Hoffnung, dass es eine Aufführung von Anatevka im Herbst 2021 geben wird. Die fünf größten Szenen aus dem Stück, bei denen das komplette Ensemble auf der Bühne wäre, sollen auf einem Bauernhof in Rohrbach gefilmt werden, wo ein sehr großer alter Heuboden und ein Innenhof mit alter Außenfassade zur Verfügung steht.

Doch durch den Lockdown konnten die Proben nur bedingt starten. Donnerstagabends fanden die wöchentlichen Chorproben mit Andrea Dippon-Meyer und freitagsabends die wöchentlichen szenischen Proben mit Regisseurin Andrea Priemer statt. All das lief über das Konferenzprogramm Zoom. Im Januar, Februar und März gab es außerdem einmal im Monat Online-Tanzproben mit Choreografin Melanie Day.

„Hinter den Kulissen“ war man auch nicht untätig: der Kostümfundus wurde durchforstet und geeignete Kleidung zur Seite gelegt, verschiedene Stoffe wurden bestellt und gekauft, Requisiten wurden zusammengestellt, die Band probte für die Tonaufnahme im Mai und viele weitere Sachen.

Außerdem fand ein Treffen mit dem Bühnenbildner Harry Hummel und dem Filmemacher James Chan-A-Sue statt. Es gab eine Besichtigung des Hofes, wo man geeignete Drehorte für die fünf Szenen festlegte. Anschließend wurde in der Reichenberghalle ausprobiert, wie man die Filme auf eine Leinwand projizieren könnte und ein paar Änderungen am Bühnenbild vorgenommen.

So nach und nach war alles getan, was man online machen konnte: Die Texte der Lieder waren gelernt, die Melodien waren auch so gut wie drauf und textmäßig war ein guter Aufbau geschaffen für die Live-Proben.

Und dann ging es los mit dem ersten Probenwochenende im März im Gemeindehaus im Großen Saal: Die Szenen aus den Zoom-Konferenzen wurden live mit Requisiten geprobt. Und die Tänze, die bisher nur online erlernt wurden, wurden in kleinen Gruppen bis zu sechs Personen getanzt. Das alles geschah natürlich mit Maske, Abstand und negativem Test.

Am Freitag, 16.04.2021, kam ein kleiner Rückschlag per E-Mail mit der Nachricht „Wir werden die Aufführungen von ANATEVKA verschieben in den Januar 2022“. Lockdown-bedingt, wäre es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen, an den ersten drei Wochenenden im Juli die Filmaufnahmen durchzuführen, da die Zeit zum Proben für die Szenen und Tänze viel zu knapp geworden ist. Am Donnerstag, 22.04.2021, fand außerdem eine weitere Zoom-Konferenz statt, bei der alles nochmal erklärt wurde.

In die „zweite Runde“ ging es mit dem Probenwochenende im Mai. Erneut wurden die Tänze, die bisher nur online geprobt wurden, in kleinen Gruppen bis zu sechs Personen getanzt. Außerdem fand eine erste Kostümprobe mit Kostümbildnerin Grazyna Feldkeller und eine erste Bühnenbild-Besprechung mit Bühnenbildner Harry Hummel statt. Das alles geschah natürlich wieder mit Maske, Abstand und negativem Test.

Für das komplette Ensemble ging es aber erst mit dem Probenwochenende im Juni an Fronleichnam los, an dem ursprünglich die Chorfreizeit stattfinden sollte. Es wurde ausschließlich im Freien auf dem Kirchplatz geprobt. Die Tänze wurden das erste Mal in die Szenen eingebunden, neue Szenen und Tänze erlernt. Es fand außerdem die erste Live-Chorprobe, natürlich mit ganz viel Abstand, statt. Das Team konnte sich hier ein Bild verschaffen, auf welchem Stand das Ensemble steht. Ein weiteres Wochenende Anfang Juli folgte mit dem gleichen Konzept auf dem Kirchplatz.

Parallel zu den Proben wurde auf dem Bauernhof der Heuboden, der voller Stroh, Staub Spinnenweben, alten Brettern und Steinen lag, von Chormitgliedern und Helfern bereit gemacht. Dann wurde die Scheune, die als Aufenthaltsraum, Umkleide und Maske genutzt werden soll, etwas leergeräumt und durchgekehrt. Nun war der Teil des Hofes, der gebraucht wurde, einsatzbereit.

Und dann war es endlich soweit: Anfang Juli – das erste Probenwochende auf dem Bauernhof. Die fünf Szenen inklusive Tanz und Gesang wurden zum ersten Mal in der Kulisse – im Heuboden und im Innenhof – geprobt. Durch die Atmosphäre, die dort herrscht, wurden alle in die Zeit versetzt, in der Anatevka spielt und konnten sich daher alle sehr gut in die Szenen einfinden. Somit waren die Proben sehr erfolgreich. Die zweite und fast abschließende Kostümprobe fand zudem noch statt, jetzt fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten.

Außerdem wurde der erste Trailer von Filmemacher James Chan-A-Sue gedreht, bei dem sich das Ensemble einen ersten Eindruck verschaffen konnte, wie das mit dem Filmen läuft. Zum Abschluss des Wochenendes fand die Tonaufnahme des Chores im Hüttenwerk in Michelstadt statt. Hier wurden alle Lieder aufgenommen, die in den Filmszenen enthalten sind.

Nach einer kleinen Pause während den Sommerferien wurde an den letzten zwei Wochenenden Ende September die Drehtage der Filmszenen nun endlich durchgeführt. Ein Ereignis, was keiner der Mitwirkenden jemals vergessen wird. Zum Anfang war da die Wirtshausszene, in der Tevje und Lazar Wolf ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit einem großen Missverständnis führen und in der es ein Tanzbattle zwischen Juden und Russen gibt. Zum Zweiten die Hochzeitsfeier, bei der das ganze Dorf Anatevka eingeladen ist. Diese beiden Szenen wurden auf dem Heuboden gefilmt.

Als drittes wurde im Innenhof die Hochzeitszeremonie vor der Feier, mit dem Brautpaar unter dem Baldachin, gefilmt, außerdem zuletzt die Eröffnungsszene, der Prolog des Stücks mit dem Lied und dem Tanz „Tradition“. Tevje stellt in dieser Szene das Dorf vor: die Papas, die Mamas, die Söhne, die Töchter und was diese jeweils zu tun haben.

Es war eine atemberaubende Stimmung, auf dem Heuboden und im Innenhof dieses alten Bauernhofs zu stehen, in den zeitgemäßen Kostümen und der passenden Schminke und dabei endlich, wenigstens den paar Gästen, die zugeschaut haben, zu zeigen, was man in den letzten Monaten erarbeitet hatte.

Nun sind die Herbstferien um und am 01. November startet der Kartenvorverkauf, es wurde bereits von Grafikerin Martha Hummel ein Digitaler Flyer erstellt. Nun stehen wir kurz vor den Proben der restlichen Szenen, die live auf der Bühne gespielt werden.

Mit der Neuinszenierung von „ANATEVKA“ schließt sich der Kreis: 20 Jahre lang wurde alle zwei Jahre ein Musical vom Jugendchor Reichelsheim aufgeführt. Wer hätte Anfang des Jahres 2020 gedacht, dass es durch Corona ein drei Jahre andauerndes Mammut-Musical-Projekt wird? Niemand!

Nun endet die Ära mit „unseren Andreas“, wie wir im Chor die beiden immer nennen: Andrea Dippon-Meyer (Musikalische Leitung & Gesamtleitung) und Andrea Priemer (Inszenierung). Danke für alles!

von Kevin Klinger, Regieassistent, 31.10.2021

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